Am 23. und 24. Mai hat Clemens Zahn zu einer kleinen Ausstellung in Praelo geladen. Sie fand im Rahmen der diesjährigen Sentieri dell' Arte statt. Seine Präsentation war eine von 23 Stationen in den Orten Pianavia, Prela Castello, Pantasina, Canneto, Praelo, Molini di Prela, Dolcedo, Magliani und Bellissimi. Wandern und Kunst zusammenzubringen, das war die Idee von Gerd Heller, der Experte für Wanderungen im Val Prino. Denn man muss sich das Kunsterlebnis erstmal erwandern und Gerd Hellers Pfade durch das Val Prino beschreiten. Wandern und neues entdecken.

Quitten waren das Leitmotiv der 18 Werke aus den Jahren 2023-25 von Clemens Zahn in Praelo. Ich selbst finde Quitten toll. Ihre Geschmacksschattierungen, fruchtig, marzipanig, mandelig und ja auch mit einer scharfen Note. Und ja ich zerlege sie, schneide das Kernhaus heraus und teile sie in Stückchen und dann erhitze ich die Quittenstücke. Gleichzeitig gebe ich immer wieder einen Schuss Wasser dazu, damit als Ergebnis ein sämiges, aromatisches Mus herauskommt. Mit Haferflocken und Nüssen gibt es das Quittenmus zum Frühstück. Banal - zerstörerisch.
Clemens Zahn Clemens Zahn inszeniert die Quitten, er arrangiert sie und er arrangiert sie in verschieden Umgebungen. Und gleichzeitig sind die Quitten auch der Aufhänger für den Hintergrund. Die Fotos wirken wie Stillleben aller Meister. Einer anderen Zeit entsprungen und gleichzeitig modern. Diese Inszenierungen von Clemens Zahn kann ich mir in erstaunliche vielen Wohnumgebungen vorstellen.
Die Quitten stammen aus einem kleinen Anbaugebiet an der Volkacher Mainschleife, wo viele alte Sorten kultiviert werden. Entsprechen vielfältig sind die Formen der Quitten. Jede einzelne ist eine Skulptur für sich. Aber immer irgendwie rund. Mit leichtem Flaum. Die Fotografien entstanden vor allem im Val Prino und Valle Impero. Die malerische Anmutung der Fotos entstand durch lange Belichtungszeiten und eine besondere Aufnahmetechnik.
Die Werke werden mit Pigmentdrucker auf Hahnemühle-Büttenkarton gebracht. Pigmentdrucke sind hochwertige und extrem farbstabile Tintenstrahldrucke in Museumsqualität, bei denen lichtechte Farbpigmente statt flüssiger Farbstoffe aufs Papier aufgebracht werden. - allein das ist nicht leicht - sind dabei alle alles andere als scharf. Sie machen durch die Unschärfe die Quitten zu einer fast mystischen Frucht.
Die Bilder werden in Praelo nun bis Mitte Mai 2027 zu sehen sein und können nach telefonischer Absprache (Tel. 0049-151-52456998) besichtigt werden, sofern Clemens Zahn in Ligurien ist. Adresse: Praelo, Via di Mezzo 12 (erste Gasse rechts unmittelbar nach Erreichen des kleinen Dorfplatzes).
Clemens Zahn, geboren 1962, studierte in München Volkswirtschaftslehre. Nach mehrjähriger Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Promotion machte er 1997 die Fotografie zu seinem Beruf. Seither entstanden mehrere Bildbände, darunter die Bücher Engel (mit einem Essay von Cees Nooteboom) und Wolken (mit einem Vorwort von Wim Wenders), vor allem aber unzählige Zeitschriften–Reportagen. Allein vierzig Bilderstrecken wurden im Reisemagazin Geo Saison veröffentlicht.

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